KONZERTKRITIKEN

Töne wie Schneeflocken (NOZ)
Schönheit nah am Jazz (Hafencity News, Hamburg)
Zauber ohne Firlefanz (Neue Osnabrücker Zeitung)
Ruhige Musik fand großen Anklang (Nordausgabe NOZ)
CD KRITIK AUS "AKUSTIK GITARRE"

TÖNE WIE SCHNEEFLOCKEN

Wenn jemand in diesen hektischen Zeiten voller Reizüberflutung in ein Konzert geht, darf es ruhig mal besinnlicher zugehen. Vor allem wenn ruhige Lieder so apart vorgetragen werden, wie es Viviane Kudo versteht. Zusammen mit dem Gitarristen Jo Schultz präsentierte die 21jährige Sängerin zur Premiere der Konzertreihe "Der Lokalteil" im ausverkauften Lutherhaus ein Programm das überwiegend aus getragenen Melodien bestand. Bezaubernde Stimme und sympathische Ausstrahlung sind die Pfunde, mit denen Viviane Kudo wuchert. Da verzeiht man der Sängerin sogar, dass sie "Let it snow again" singt, wenn man gerade aus einem Schneegestöber in den Saal kommt. Aber sie singt auch über Ausflüge aufs Land oder über Wahrheiten, die man überraschend erfährt. Dabei schwebt ihre Stimme bisweilen auch in oberen Oktaven und flötet wie ein Instrument. Oder sie haucht und flüstert tief und sinnlich wie in der jazzig angehauchten Ballade "Don't apologize", einem sehr privatem Lied über das Zusammenleben.

Frische Klangfarben

Dann wird die Stimme flotter. Zum Beispiel in einem Lied über "Müßiggang und Liebe". "Gute Musik entsteht nicht um 8 Uhr morgens in einem muffigen Büro" erklärt Schultz. Daher heißt der Song "9 o'clock", ist folkig angehaucht und wird von einer Gitarre beflügelt, die sich auf 4 Akkorde beschränkt. Ansonsten begleitet Schultz ohne abgedroschene Phrasen, reduziert und dennoch dynamisch. Für zusätzliche Klangfarben sorgt Viviane Kudo, wenn sie zur Violine greift, um einige Lieder mit melancholischen Melodien zu verzieren.

Regelrecht aufgeweckt und heiter wird es auf der Bühne, als das Duo den Song "Hit that Jive Jack" interpretiert, bekannt u.a. von Nat King Cole und Diana Krall. Der swingende Jazz steht dem hervorragend musizierenden Duo genauso gut wie die ruhigen Singer/Songwriter-Balladen, die die beiden selbst schreiben. Da Viviane und Jo erst seit einem halben Jahr zusammen arbeiten, müssen sie ab der zweiten Zugabe auf Material zurückgreifen, das sie bereits gespielt haben. Irgendwie ist auch das sympathisch ...

Tom Bullmann


SCHÖNHEIT NAH AM JAZZ

Es ist gleichzeitig schade und super, dass es an diesem eisigen Abend nur so wenige Gäste in das Steckelhörn und den Klub K gefunden hatten. Schade für die wirklich erstklassigen Künstler die ein größeres Publikum verdient gehabt hätten und super, das man so einen um so intimeren Abend mit Viviane Kudo und Jo Schultz verbringen durfte. Und die beiden hatten es wirklich in sich. Viviane Kudo mit einer Stimme, die den großen Versprechungen in der Ankündigung wirklich gerecht wurde, und als launiger Counterpart und Conferencier ihr Co Jo Schultz, der auch für die meisten Stücke verantwortlich zeichnet oder zumindest mitverantwortlich ist. Mit im Gepäck die erste CD, die Ende Oktober erscheint und ein echter Tipp für den Gabentisch oder auch nur so als Geschenk ist. Trotzdem ist Live natürlich noch etwas ganz anderes und muss erstmal gemeistert werden.

Doch das war für die beiden überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil: Gerade die zweistimmig gesungenen Stücke kommen live noch viel besser als auf ihrer CD. Das fand auch das Publikum und forderte immer mehr, bis schließlich nach der fünften Zugabe Viviane Kudo und Jo Schultz endlich entlassen wurden.

Für alle die das wirklich hörenswerte Konzert verpasst haben bietet sich am 8. November in Hamburg im Live Club die Gelegenheit das Versäumnis wieder gutzumachen. Rot im Kalender anstreichen und hingehen! Oder CD kaufen: Viviane Kudo - You don't have to



ZAUBER OHNE FIRLEFANZ

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Marie-Luise Braun

Osnabrück. In rotes und blaues Licht getaucht steht Viviane Kudo auf der Bühne. Die Arme leicht angewinkelt, den Kopf ein wenig zur Seite geneigt. Mehr Bühnenschau gibt es nicht. Und mehr braucht es auch nicht, um die Zuhörer im Lutherhaus zwei Stunden lang mit Klang zu verzaubern.

Zwei Portionen Pommes und ein Schnitzel betrug das Honorar, das Martin Schmeing erhalten hat, weil er Viviane Kudo und Jo Schultz bei ihrer ersten gemeinsamen CD unterstützt hat. So sagt es die Sängerin. Zusammen mit Schultz hat sie die Stücke jetzt vorgestellt. Zu hören sind auf der CD auch drei Freunde der beiden, wie eben Martin Schmeing, der dem Stück "Work undone" mit dem Akkordeon einen Hauch besonderer Sehnsucht verleiht, bevor er noch im Applaus schnurstracks in den Zuschauerraum läuft, um weiterhin an den Reglern für stimmigen Klang zu sorgen. "Jetzt kommt ein ruhiges Stück" – dieser Spruch kehrt wohl bei jedem Konzert von Kudo und Schultz wieder. Aber die Ruhe ist facettenreich. Getragen werden die Stücke von Viviane Kudos warmer Stimme, die mal energiegeladen antreibt, sinnlich schmeichelt oder von Jo Schultz' Gesang wie im Tanz umschmeichelt und gestützt wird.

Überwiegend spielen sie die Songs ihrer Platte, die allesamt aus der Feder von Kudo und Schultz stammen. Doch es gibt Ausnahmen, wie "Iris" von den Goo Goo Dolls aus dem Film "Stadt der Engel". "Das geht doch nicht, das ist doch Teenie-Pop", hatte sich Schultz erst gegen das Stück gewehrt. Doch in der Variation der beiden klingt es jazzig, mit spannungsgeladenem Rhythmus, an dessen Ende sie "I just want you to know who I am" wie ein Mantra wiederholen. Stimme und Gitarre ergänzen die beiden im Lauf des Konzerts durch Piano und Violine. Uli Daumann spielt Percussion und Udu, eine bauchige Trommel aus gebranntem Ton aus Nigeria. Musiker Nummer fünf ist Andreas Müller, er zupft den Bass. Stimmig auch das, trotz der knappen Probenzeit. Ruhig klingen sie, gelassen, reduziert. Und weil sie nicht so viel Zeit zum Proben hatten, müssen sie bei den Zugaben auf zuvor gespielte Stücke zurückgreifen. Macht nichts. Am Ende des Konzerts klingen sie noch entspannter. "And the sun comes out" singt Viviane Kudo zärtlich. Eine schöne Beschreibung für den gesamten Abend.



RUHIGE MUSIK FAND GROSSEN ANKLANG

Viviane Kudo und Jo Schultz mit gelungenem Konzert

Die Ansage "jetzt kommt ein ruiges Stück" entwickelte sich zum Running Gag des Abends. Denn die meisten, beinahe alle, Stücke waren eher ruhig - und sollten es auch sein. Ganz bewußt hatte Birgit Lindlage, Leiterin der Musikschule "Forum Muzaik", ein Duo ausgewählt das Kooperationspartnern, Mitarbeitern und Freunden des Hauses - sozusagen als Weihnachtsgeschenk - ein gewollt unaufgeregtes Konzert bot. Die vielen geladenen Gäste genossen am Freitagabend sichtlich die von Viviane Kudo und ihrem Partner dargebotenen Stücke.

Passend dazu war der ohnehin mit einer ganz besonderen Atmossphäre ausgestattete Raum in der früheren Mühle nur mit Kerzen ausgeleuchtet. [...] Das "Konzert der leisen Töne" begann mit Balladen, die wohl am ehesten der Folkmusik zuzordnen sind. "Let it snow again" oder "Work undone" sang Viviane Kudo mit einer wunderschönen und zugleich energiegeladenen Stimme.
Sorgfältig wird jeder Ton in den Raum gestellt. Harmonisch bestens aufeinander eingestimmt erzählen die beiden Musiker mit jedem Song eine neue Geschichte. Weiter gings mit jazzig angehauchten Melodien. In den Songs geht es vor allem um Zwischenmenschlches, Hauptthema war die Liebe in all ihren Facetten: Zärtlichkeit und Vertrauen (z.B. in "Noboby knows that but you") aber auch die andere, die dunkele Seite der zerbrochenen, unerfüllten Liebe (z.B. "Don't apologize" oder "Those unspoken words") [...] Bis auf "Hit that Jive Jack" von Nat King Cole und "Calm under the waves" von Maria Mena stammten sämtliche Stücke des Abends aus der Feder des Duos. Ob Eigenkomposizion oder Coversion: Die Stücke wurden immer in einer spannungsgeladenen Intensität vorgetragen, die jeden einzelnen Song zu einem Erlebnis machte. Der begeisterte Beifall zeigte, dass Birgit Lindlages rund zweistündiges "Weihnachtsgeschenk" beim Publikum bestens angekommen war.



CD KRITIK AUS "AKUSTIK GITARRE"

"Ein neues Akustik-Duo: Namensgeberin Viviane Kudo ist Sängerin Violinistin, Tochter einer japanischen Konzertpianistin und 2009 Gewinnerin des "Study-Up" Awards. Ihr Partner ist Jo Schultz bekannt auch als Gitarrist der Comedy-Truppe "Die Angefahrenen Schulkinder". Hier jedoch macht er Ernst, hat neben seiner Gitarre auch Mandoline, Ukulele und Banjo mit ins Studio gebracht und sorgt mit stilvoller Begleitung und kleinen Verzierungen für ein stimmungsvolles Ambiente des Anfang zwanzigjährigen Stimmwunders. Gemeinsam kreierten sie feinsinnge Lieder jenseits von Zeitgeist- und Schubladendenken. Im Mittelpunkt der 12 Eigenkompositionen stehen Stimme und Gesang, pur und unverfälscht. Beschauliche Balladen und modernen Singer-/Songwriter Pop durchweht gelegentlich ein Lufthauch Jazz. Live interpretiert das Duo hin und wieder Klassiker von Nat King Cole, Maria Mena oder Stevie Wonder. Man spürt auch hier weiten Horizont - obwohl sich die Newcomer mit der Nennung von Idolen bewußt sparsam geben, um Atribute wie "größenwahnsinng anmaßend oder schlichtweg doof" von vornherein zu vermeiden. Es liegt am Zuhörer Parallelen zu entdecken. Zum Beispiel die Intelligenz von Suzanne Vega, die Vertraulichkeit Joni Mitchells oder die Zärtlichkeit Rosie Thomas'. Zudem glänzt das Duo mit einem sehr erfahrenen Umgang mit Dynamik, was den Songs mal eine feine Intimität, dann wieder Schubkraft verleiht. Kudos Stimme changiert derweil problemlos und intonationssicher zwischem zärtlichem Duktus und kraftvolleren Registern. Gelegentliche Einwürfe von Fender Rhodes, Hammond Orgel und Perkussion sorgen für die Farbtupfer dieser durchweg gelungenen Premiere."

Stefan Woldach (Akustik Gitarre 01/2011)